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Nehmen Sie sich Zeit, um über das Geschehene nachzudenken, übergehen Sie das unangenehme Erlebnis nicht.

Der Zeitraum für das Nachdenken sollte 30 Minuten nicht überschreiten, da sonst die Gefahr unkonstruktiven Grübelns (zirkuläres Denken) entsteht.

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Während des Nachdenkens werden unangenehme Gefühle in Ihnen aufsteigen. Das ist vorhersehbar, da die vorangegangene Situation vermutlich unerfreulich war.

Widerstehen Sie der Tendenz, diese Gefühle beiseite zu schieben.

Führen Sie sich diese Gefühle und die damit verbundenen Imaginationen vor Augen, sprechen Sie Ihre Gedanken aus und notieren Sie diese.

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(Zum Beispiel: „In mir ist eine wahnsinnige Wut und Verbitterung, am liebsten würde ich alles hinschmeißen“, „das sind alles Idioten, keiner hilft mir...“, „Ich bin wirklich verzweifelt, ich weiß nicht mehr weiter“.)

Durch das schriftliche Fixieren ordnen sich Ihre Gedanken, das rationale Erfassen und Aussprechen reduziert die Wucht Ihrer Gefühle. Sobald ein Gefühl durch den Verstand registriert und eingeordnet wurde, ist es gebändigt; es verliert es an destruktiver Kraft.

Gleichzeitig verwandelt sich Ihre Niedergeschlagenheit in Kraft zur Veränderung. In jedem Gefühl steckt eine Veränderungstendenz, folglich ein Handlungsimpuls und eine Energie, die Sie konstruktiv zu Ihrem Vorteil nutzen können.

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Während seiner gesamten Vita macht der Mensch immer wieder die Erfahrung des Misslingens und Scheiterns. Die Erfahrung eines Misserfolges teilen Sie mit allen Menschen, sie ist alltäglich und macht Sie menschlich. Sie ist ein Lebensbestandteil aller Menschen.

Erfahrungen dieser Art sind zudem die Voraussetzung, andere Menschen besser verstehen zu können.

Viele Menschen erwarten von sich absolute Fehlerfreiheit. Eine etwaige mit Misserfolgen verbundene Niedergeschlagenheit macht uns darauf aufmerksam, welche unsinnigen Erwartungen wir von uns haben und wie unmenschlich streng wir zu uns selbst sind.

Realistischer wäre die Einstellung: „Der Mensch hat ein Grundrecht auf Fehlerhaftigkeit, diese sind natürlicher Bestandteil seines Lebens (und von diesem Grundrecht mache ich jetzt Gebrauch).“

Die üblichen Reaktionen von Wut und Verärgerung auf Misserfolge sind starke Handlungsimpulse, die lediglich einer sinnvollen Kanalisierung bedürfen. Nutzen Sie dieses Potential, um Ihre Situation zu verbessern: Informieren Sie sich, holen Sie Rat ein, erstellen Sie einen Plan, unternehmen Sie erste Schritte etc.

Lassen Sie die Reflexion aus den vergangenen Punkten möglichst in sinnvolle Handlungsaktivitäten münden.

6. Sprechen Sie mit anderen

Die Aussprache sollte in jedem Fall nach der Reflexion kommen.

Da Sie Ihre Gedanken bereits geordnet haben, sich über Ihre Gefühle im klaren sind, werden es andere leichter haben Ihnen zuhören und mit Rat bei Seite zu stehen. Unterstützung, Respektierung und damit Entlastung erhalten Sie am ehesten, wenn Sie über Ihre Gefühle, über das was in Ihnen vorgeht verarbeitet sprechen können und nicht durch Emotionen überschwemmt sind.

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Spielen Sie nicht das Rumpelstilzchen (“oh, wie gut, dass niemand weiß...”). Gerade jetzt brauchen Sie die anderen und Sie werden mit mehr Verständnis rechnen können als Sie annehmen, denn wer hat nicht schon in irgend einer Form Ähnliches erlebt wie Sie.

Mehr zum Thema Leistung finden Sie im Kapitel Leistungsstörungen.

 

Verhalten bei Misserfolg und Versagen

1. Nehmen Sie sich Zeit zur Reflexion

2. Beachten und fixieren Sie Ihre Gefühle

3. Sehen Sie Misserfolge als Lebensbestandteil aller

4. Überdenken Sie Ihr Selbstkonzept

5. Unternehmen Sie unmittelbar mögliche Schritte