Leistungsstörungen

Behebung und Verhinderung

 

Zum besseren Verständnis empfehlen wir, zuvor das Kapitel “Leistungsstörungen - Grundlagen” zu lesen

1. Innere Spannungsreduzierung durch psychische Hygiene

dazu gehört:

- klares, bewusstes annehmen von Problemen und Konflikten und damit das Vermeiden von Verdrängung.

- Aktivität, Spontaneität und Vielseitigkeit

Abwechslungsreiche Tätigkeits- und Interessenfelder verringern die Gefahr von Frustration. Schwierigkeiten, Einbußen und Misserfolge in einzelnen Lebensbereichen sind leichter zu ertragen und werden weniger verdrängt, wenn noch weitere Optionen zur Selbstverwirklichung verfügbar sind. (“Wer nur einen Traum hat ist arm”)

- Meditative Pausen, Kontrasttätigkeit, kreatives Handeln

Der Mensch ist nur begrenzt kompatibel zu stundenlangem, konzentriertem Arbeiten. Diese Form der Tätigkeit ist entwicklungsgeschichtlich nicht angelegt und war bis vor vergleichsweise wenigen Jahren auch nicht erforderlich.

Der menschliche Organismus ist vielmehr für den vielseitigen Gebrauch seiner Sinne und seines Körpers ausgelegt. Bei nachlassender Konzentration sollten deshalb bewusste Pausen, möglichst verbunden mit körperlicher Bewegung, eingelegt werden.

Wird der Zeitpunkt nachlassender Konzentration übergangen und weitergearbeitet, sinkt die Leistungsfähigkeit rapide ab. Zunehmend schweifen die Gedanken ab, unwillkürlich wird Ablenkung gesucht.

Auch nach erledigter Arbeit ist kontrastreiche Ausgleichstätigkeit empfehlenswert.

 

2. Offenere, aber angepasste Konfliktaussprache

Das Aussprechen und Besprechen von Gedanken, Entschlüssen und Konflikten vor und mit anderen Personen führt zu besseren wie auch geordneteren Ergebnissen und Lösungen als ausschließliches Überlegen und Grübeln. Darüber hinaus erschwert es ein Verdrängen, da ausgesprochene Imaginationen, Empfindungen oder Entschlüsse reell und existent werden, während Gedanken flüchtig und stark emotionsabhängig sind.

Ein ähnlicher Effekt kann durch das schriftliche Fixieren von Gedanken und Entschlüssen erzielt werden.

 

3. Bewusstes Entscheiden und dazu stehen

„In Kenntnisnahme des schönen Wetters und der Tatsache, dass meine Freunde heute Grillen gehen, habe ich mich entschieden, diese Arbeit zu erledigen.“

Durch bewusstes Entscheiden – im Unterschied zum Aufrechterhalten etwaiger Optionen („vielleicht gehe ich ja nachher doch noch hin“) – erspart man sich wiederkehrende Gedanken im Sinne von „eigentlich könnte ich ja doch noch“, „vielleicht sollte ich...“, „muss das jetzt sein“ etc.

Offene Entscheidungen stellen einen Konflikt dar, der nach Auflösung drängt; deshalb dringen die dazugehörigen Gedanken immer wieder bis zu ihrer eindeutigen Klärung oder erfolgreichen Verdrängung ins Bewusstsein. Schließlich löst der unbewusste Bereich das Problem durch Halbherzigkeit in den Anstrengungen oder durch Nichtkönnen und Versagen.

 

4. Systematisches Desensibilisieren bei Angstblockaden

Hat sich auf Grund früherer schlechter Erfahrungen in Leistungssituationen eine Art von Angstblockade eingeschlichen, hilft sukzessives Entgegenhandeln. Dies bedeutet, mit kleinen Zielsetzungen immer wieder die angstbesetzte Situation aufzusuchen, um dabei festzustellen, dass tatsächlich nichts Schlimmes passiert. Nach erfolgreicher Bewältigung sollten Sie den Schwierigkeitsgrad Stück für Stück in kleinen Schritten erhöhen und sich unmittelbar belohnen (etwa mit einem guten Essen – oder was auch immer Sie als Belohnung empfinden).

 

5. Ablegen destruktiver Gewohnheiten

Liegt keine Angstblockade vor, so ist Ausweichverhalten schlicht erlernt. Der Mensch stellt fest, dass er durch Verzögerung, Vertagung oder Ausblenden einer unangenehmen Situation ausweichen und sich dadurch besser fühlen kann. Das vorübergehende angenehme Resultat des Ausweichens verstärkt die Handlungsweise und lässt sie schließlich zur Gewohnheit werden.

Beispiel: Vor dem Lernen noch schnell die geliebte Fernsehserie zu gucken.

Abhilfe schafft auch hier vor allem konsequentes Entgegenhandeln. Belohnungen sind durchaus sinnvoll, jedoch erst nach erbrachter Leistung.

 

6. Selbst- und Fremdbestätigung außerhalb des Leistungsbereichs

Bei vorübergehenden Schwierigkeiten in einem Bereich des Lebens neigen viele Menschen dazu, andere Bereiche zugunsten des problematischen Bereichs einzuschränken, um sich besonders auf diesen konzentrieren zu können. Dies ist im begrenzten Ausmaße auch sinnvoll.

Jedoch bedarf das menschliche Selbstwertgefühl ständiger Nahrung – insbesondere nach einem leidvollen Einbruch, wie er durch ein Versagen entsteht-, am besten in Form kleiner „Happen“ (die Durst- bzw. Hungerstrecke zu großen Bissen kann manchmal sehr viel zu lang sein). Wird nun also sämtliche Aktivität zugunsten eines problematischen Lebensbereiches (hier: Leistung) eingeschränkt, gibt es keine Nahrung mehr für das persönliche Selbstwertgefühl – der problematische Bereich erfordert gegenwärtig mehr Energie, als er einbringt. Damit wäre ein sicherer Weg beschritten, auch noch den Rest an Leistungsmotivation und –fähigkeit zu zersetzen.

 

7. Schaffen einer stabilen, sicheren und konstanten Lebenssituation

In der menschlichen Bedürfnispyramide (siehe Selbstorganisation) steht Sicherheit, nach den physiologischen Bedürfnissen, an zweiter Stelle. Erst wenn der Mensch physiologisch versorgt ist und sich sicher fühlt, ist er in der Lage, sich den nächsten Stufen seiner Bedürfnisse, zu denen auch Leistung zählt, zu widmen.

Berufliche Ungewissheit, Zukunftsängste etc. sind demnach eine denkbar schlechte Basis für Leistungsfähigkeit.

 

8. Einstellen der Misserfolgsprogrammiertheit

Meist unterliegen immer wiederkehrende Pannen und Missgeschicke im menschlichen Leben weniger dem Zufall, der einen Menschen zum „Pechvogel“ werden lässt, als einer konsequenten Misserfolgssystematik im Verhalten und Denken. Dabei sind vor allem folgende Muster erkennbar:

- Vermeidung negativer Vorstellungen von sich selbst und den eigenen Fähigkeiten

Wer sich fortwährend eigene Misserfolge der Vergangenheit

- wie oft er schon versagt hat,

- wie viele Fehler er gemacht hat,

- wie schuldig er an der ganzen Misere ist,

- um wie viel erfolgreicher andere sind

vor Augen führt, programmiert sein eigenes Versagen für die Zukunft. Die rückblickende negative Wahrnehmung der eigenen Person resultiert in einem erfolglosen Selbstbild, welches im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung die eigenen Phantasien für die kommende Zeit wahr werden lässt.

Imaginationen vom eigenen Versagen, ein gedankliches Ausarbeiten von Sinn- und Zwecklosigkeit einer momentanen Tätigkeit oder die Konzentration auf Bilder und Vorstellungen vom Scheitern einer Unternehmung entsprechen einem negativen mentalen Training, welches schließlich automatisiert zu einem Ergebnis führt: dem erfolgreichen Scheitern der Unternehmung.

- Vermeidung von gegenteiligem Wollen, Vorbehalten, Unentschiedenheiten

Zwiegespaltenheit, Unentschiedenheit, Zweifel am Sinn und der Erreichbarkeit einer Unternehmung bremsen die Tatkraft, vergleichbar dem Fahren mit angezogener Handbremse.

Bei berechtigten Zweifeln ist es notwendig, diese aufzugreifen, zu überprüfen und gegebenenfalls auszuräumen. Ziel ist, eine Haltung von:

„Ich will dieses Ziel jetzt und in jedem Fall erreichen, das ist mein Wunsch und meine Aufgabe, die ich jetzt konsequent durchziehe.“ zu erreichen.

Vorauseilende Schadensbegrenzung und die Hoffnung auf einen Notausgang für den Fall, dass sich die Entscheidung als falsch erweisen sollte schmälert unausweichlich die zur Verfügung stehende Energie und damit das mögliche Engagement.

Selbst, wenn Sie etwas, das offensichtlich unsinnig ist, erledigen müssen, ist es immer noch besser, es schnell und effektiv hinter sich zu bringen, als sich im Brainstorming über die Unsinnigkeit des Unterfangens zu üben und damit letztlich noch mehr Zeit und Energie als notwendig zu investieren.

- Vermeidung von übermäßig ergebnisorientiertem und erfolgsorientiertem Denken

Das ergebnisorientierte Denken der Leistungsgesellschaften ist den meisten Menschen zur Gewohnheit geworden, die nicht hinterfragt wird. Mit diesem Denken ist zugleich die partielle Abgabe persönlicher Autonomie verbunden, denn das tatsächliche Ergebnis einer Unternehmung hängt nur zum Teil von der eigenen Initiative ab. Das Ergebnis z.B. einer Prüfung steht und fällt nicht nur mit der Qualität der Vorbereitung des Prüflings, sondern vor allem auch mit den Fragen (Eindeutigkeit, Fairness, Schwierigkeitsgrad) und der Bewertung (Einstellung, Notenschlüssel, Leistungsdurchschnitt der Klasse) des Prüfers.

Insofern macht uns übermäßig ergebnisorientiertes Denken abhängig von äußeren, überwiegend unbeeinflussbaren Faktoren.

Sinnvoll ist statt dessen, in Leistungssituationen schlicht das Beste zu geben und zu tun, was sinnvoll und nötig ist. Der Rest hängt von Zufall und anderen beliebigen Einflussgrößen ab.

Übernehmen Sie nur für den Teil Verantwortung den Sie in der Hand haben und das ist nur selten das Ergebnis.

- Abstellen von häufigen und intensiven Misserfolgserinnerungen

Dass Ihnen Erinnerungen von an frühere Misserfolge einfallen ist ein normaler Vorgang bei jedem Menschen. Wie Sie mit solchen Einfällen umgehen ist aber für ihre Erfolgsprogrammiertheit von entscheidender Bedeutung. Durch nichts sind Sie gezwungen viel Zeit zur Verfügung zu stellen  und einen farbigen, ausgemalten und langanhaltenden Film in Ihnen laufen zu lassen. Tun Sie das Gegenteil, d.h.: kurz, abstrakt, unbildlich, emotionslos, registrierend. Beantworten Sie solche negative Gedanken durch eine Erinnerung die Sie positiv unterstützt.

- Wahrnehmung des eigenen Erfolges

Es ist durchaus sinnvoll, sich bei Misserfolgen möglichst sachlich mit Hergang, Gründen und Verbesserungsmöglichkeiten auseinander zusetzten und damit aus etwaigen Fehlern zu lernen. Jedoch besteht alltäglich die Neigung, sich weniger sachlich als emotional mit Selbstvorwürfen, zirkulärem Grübeln etc. zu quälen und sich selbst mit dem wiederholten Durchleben der unangenehmen Situation zu beschädigen.

Im Unterschied dazu ist es eher unüblich, seine eigenen Erfolge explizit vor sich selbst sichtbar zu machen, diese zu feiern und zu zelebrieren. Verwenden Sie mindestens bei Ihren Erfolgen soviel Zeit und Aufmerksamkeit wie Sie das im gegenteiligen Fall tun würden.

Tatsächlich ist das Verdeutlichen eigener Erfolge durchaus sinnvoll und notwendig, da Erfolgserlebnisse zum Erhalt der Motivation und Energie dringend notwendig sind.

- Zuspruch der Umgebung bei Erfolg

Ähnlich zu Selbstbestätigung verhält es sich mit der Fremdbestätigung, also einer positiven Resonanz der sozialen Umgebung auf Erfolg. Streben Sie nach sozialen Kontakten zu Menschen, die es Ihnen gut meinen und sich mit Ihnen freuen können, wenn Ihnen etwas gelingt. Hüten Sie sich vor gegenteiligen Kontakten. Lernen Sie auch selbst Ihre Freude über Erfolge mit anderen zu teilen. Durchbrechen Sie die zerstörerische, anerzogene Anweisung dass man am besten über sich selbst keine Freude empfinden oder ausdrücken darf.

 

Noch mehr zum Thema Leistung finden Sie unter:

“Wenn Ihr Kind Symptome einer Leistungsstörung zeigt” - allgemeine Hilfsmöglichkeiten bei Leistungsstörungen

oder

“Umgang mit Misserfolg und Versagen”

                                 

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